MAY 12, 2026

Vulva und Vagina – das weibliche Geschlechtsorgan richtig benennen

by Paula Gottschalk

Inhaltsverzeichnis

    Muttertag & Vatertag – ist das noch zeitgemäß? Du liest Vulva und Vagina – das weibliche Geschlechtsorgan richtig benennen 10 Minuten Weiter Körperbehaarung bei Frauen: Immer noch ein Tabu?

    Die weiblichen Geschlechtsteile waren lange unerforscht und mit Scham behaftet. Während das Zeichnen eines Penis nahezu alle beherrschen, sind die wenigstens in der Lage eine anatomisch korrekte Vulva oder Vagina auf Papier zu bringen. Vulva und Vagina – wo ist da eigentlich der Unterschied? Und warum sollten wir die Bezeichnungen Scheide oder Schamlippen lieber aus unserem Wortschatz streichen? Dies geht nicht nur Frauenärtz*innen etwas an, sondern auch alle Männer* und Frauen*. Wir erklären die richtigen Bezeichnungen für das weibliche Geschlechtsorgan und verraten, was es mit der Scham rund ums weibliche Geschlecht auf sich hat!

    Scheide Vulva, Vagina – Das ist der Unterschied

    Das ist doch alles das Gleiche? Falsch!

    Leider besteht noch viel Unwissenheit rund um das weibliche Geschlecht. Ein Geschlecht, das versteckt und tabuisiert wird, und auch in der Forschung viel zu lange unbeachtet blieb - im Gegensatz zum Penis, der ausführlich erforscht wurde und auf jedem öffentlichen WC an die Türen gekritzelt oder an Hauswände gesprayt wird. Zum Glück wird die Forschung rund um die weiblichen Geschlechtsorgane zunehmend aufgeholt – doch bis alle Unklarheiten aus der Welt geschafft sind, wird es wohl noch dauern. Daher soll dieser Beitrag darüber aufklären, warum diese drei Begriffe nicht das Gleiche beschreiben, um der Wissenslücke rund um den weiblichen Intimbereich entgegenzuwirken.

    Mit Vulva werden alle sichtbaren, weiblichen Geschlechtsorgane bezeichnet – also alles, was im weiblichen Intimbereich von außen zu sehen ist. Dazu gehören die inneren und äußeren Vulvalippen, die Klitoris, der Venushügel, der Eingang zur Harnröhre sowie der Vagina-Eingang. Vulven sehen ganz unterschiedlich aus; sie gibt es in allen Farben, Formen und Größen – es herrscht eine echte Vulven-Vielfalt. Die Vulva, um genau zu sein die Vulvalippen und die Klitoris, sind mit besonders vielen Nerven ausgestattet und bilden daher das äußere, weibliche Lustzentrum. Allein die Klitoris hat über 8.000 Nervenfasern – die Eichel des Penis nur einige Hundert. Was die wenigsten wissen, ist, dass die Klitoris nicht nur die kleine Perle am oberen Teil der Vulva ist, sondern ein großes, komplexes Organ. Sichtbar ist nur die sogenannte Klitoris-Eichel, während ihre acht bis neun Zentimeter langen Schenkel für uns unsichtbar sind – dafür bei Lustempfinden umso spürbarer. Die Klitoris-Schenkel sind Schwellkörper, welche ähnlich wie der Penis, bei Erregung anschwellen.

    Die inneren, weiblichen Geschlechtsorgane liegen im Unterleib, im Inneren des kleinen Beckens. Zu ihnen gehören neben der Vagina die Gebärmutter (Uterus), die beiden Eileiter (Tuben) sowie die zwei Eierstöcke (Ovarien).

    Die Vagina ist der acht bis zehn Zentimeter lange und zwei bis drei Zentimeter breite, dünnwandige Kanal, der die äußeren und inneren Geschlechtsorgane, also Vulva und Gebärmutter, miteinander verbindet. Der Muttermund ist eine flexible Öffnung am oberen Ende der Vagina, der sie mit der Gebärmutter verbindet. Dieser öffnet sich zum Ende unseres Zyklus, damit mit der Periode die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut nach außen gelangen kann. Dies ist eine Funktion der Vagina: Durch sie fließt das Blut während der Menstruation aus dem Körper. Außerdem fungiert sie als Kopulationsorgan, welches beim Geschlechtsverkehr mit einem Mann* die Samenzellen des Penis durch den Muttermund befördert. Bei der Geburt dehnt sich die Vagina aus und ist der Austrittskanal für das Baby. Sie ist auch wichtig, um die inneren Geschlechtsorgane vor Infektionen zu schützen. Dafür sind die Schleimhäute in der Vagina essenziell, die mit vielen Drüsen versehen sind, über die Sekrete abgesondert werden, die wir als Ausfluss kennen. Auf diese Weise bleibt die Vagina feucht und kann Keime nach außen befördern.

    Der Begriff Scheide ist die lateinische Bezeichnung für Vagina und meint daher ebenfalls das weibliche, innere Geschlechtsorgan. Allerdings wird diese Bezeichnung heute als problematisch angesehen, weil sie im 17. Jahrhundert von Männern geprägt wurde - die ihr Schwert in die „Scheide“ steckten. Die Bezeichnung für eine Degen- oder Schwertscheide wurde auf die Anatomie der Vagina übertragen und diese damit allein auf ihre sexuelle Funktion reduziert. Das hatte außerdem zur Folge, dass die äußeren Geschlechtsteile der Frau* quasi unsichtbar wurden, weil sie aus männlicher Perspektive keine Funktion erfüllten. In Zeiten, in denen die weibliche Lust glücklicherweise immer mehr in den öffentlichen Diskurs gerät und zunehmend besprochen wird, wird der Begriff Scheide daher abgelehnt. Denn für das weibliche Lustempfinden ist die Vulva essenziell, zumal viele Frauen* nicht vaginal, sondern nur klitoral, also durch die Stimulation der Vulva und Klitoris, einen Orgasmus erleben können.

    Falsche Scham!

    Mit welchen Begriffen heutzutage auch zunehmend aufgeräumt wird, sind Schamlippen, Schambehaarung oder Schambereich. Feminist*innen setzen sich dafür ein, stattdessen Vulvalippen, Intimbehaarung oder Intimbereich zu sagen, um bei der Bezeichnung der weiblichen Geschlechtsorgane das Wort „Scham“ zu vermeiden. Denn keine Frau* soll sich für die Benennung ihrer Geschlechtsteile schämen – ganz im Gegenteil. Der komplexe anatomische Aufbau der Vulva und der weiblichen Geschlechtsorgane sind ein echtes Privileg! Die Vulva und die Klitoris sind aufgrund der hohen Dichte an Rezeptoren weitaus empfindsamer als der Penis und bieten eine Vielfalt an Möglichkeiten, um Lust zu empfinden.

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    Wie pflege ich meine Vulva richtig?

    Da wir jetzt wissen, was die Vulva ist – reden wir auch darüber, wie wir sie pflegen. Denn hier stecken fast genauso viele Mythen wie in der Anatomie selbst.

    Die wichtigste Regel vorab: Die Vagina reinigt sich selbst. Sie braucht keine Spülung, kein Duschgel, kein Intimspray. Eingriffe in das innere Milieu stören das natürliche Gleichgewicht und können zu Irritationen, Trockenheit oder Infektionen führen.

    Die Vulva – also der äußere Bereich – darf und sollte gepflegt werden. Aber mit dem richtigen Produkt:

    • Normale Duschgele oder Seifen haben oft einen pH-Wert von 5,5 bis 7 – das ist zu basisch für den Intimbereich, dessen pH bei etwa 4 bis 4,5 liegt.
    • Parfümierte oder alkoholhaltige Produkte können empfindliche Haut reizen.
    • Ideal sind Pflegeprodukte, die pH-neutral auf das Intimmilieu abgestimmt und frei von Duftstoffen sind.

    👉 Unser Tipp: Die MYLILY 2in1 Intimpflege wurde speziell für die Reinigung und Rasur des äußeren Vulva-Bereichs entwickelt. Mit einem pH-Wert von 4,3, Kokosöl, Kakaobutter und Sheabutter – und ganz ohne Duft- oder Farbstoffe. Vegan, plastikfrei, für viele Hauttypen geeignet.

    Was ist bei der Intimrasur zu beachten?

    Ob du dich rasierst oder nicht – das ist ausschließlich deine Entscheidung. Wenn du dich rasierst, lohnt es sich, ein paar Dinge zu beachten:

    • Rasiere immer in Haarwuchsrichtung, besonders im Intimbereich
    • Verwende ein frische, scharfe Klinge – stumpfe Klingen sind der Hauptgrund für Rasurbrand und Pickel
    • Bereite die Haut vor (warmes Wasser, Pflegeseife) und pflege sie danach (beruhigendes Öl)
    • Einwegrasierer aus Plastik sind nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern haben auch deutlich schlechtere Klingen als gute Nassrasierer

    👉 Das MYLILY Vulva Care Set beinhaltet die 2in1 Intimpflege und das Intim-Aftershave Öl – alles abgestimmt aufeinander, vegan, ohne Reizstoffe. Auch erhältlich mit Rasierhobel als nachhaltige Alternative zu Einwegrasierern.

    Jede Vulva ist schön!

    Die Welt der Pornographie hat das Bild einer Vulva dahingehend geprägt, als dass eine Vulva heute als schön gilt, wenn sie unbehaart, rosig und straff ist und die inneren Vulvalippen nicht herausragen. Dies führt dazu, dass die Nachfrage nach operativen Eingriffen zur Schamlippenverkleinerung oder Lifting steigt. Doch davon sollte frau sich loslösen und begreifen, dass jede Vulva auf ihre natürliche Weise schön ist – ganz egal welche Form oder Farbe die Vulva hat. Hast du schon mal in den Spiegel geschaut? Wenn nicht, sei neugierig und wirf mal ein Blick auf deine Vulva – sie ist ein Teil von dir und wenn du sie gut kennst, kann das auch beim sexuellen Lustempfinden von Vorteil sein. Solange es keine medizinisch notwendigen Gründe hat, braucht keine Frau* einen operativen Eingriff, um sich die Vulva „verschönern“ zu lassen. Sie ist ein Wunder der Natur und in ihrer Einzigartigkeit perfekt. Die passende Aufklärung für junge Mädchen* rund um die Themen "weiblicher* Körper", "Periode und Scham" sowie die Geschlechtsorgane bietet MYLILY im Periodicle.

    Häufige Fragen zu Vulva und Vagina

    Was ist der Unterschied zwischen Vulva und Vagina?

    Die Vulva bezeichnet alle von außen sichtbaren Teile des weiblichen Genitals: die äußeren und inneren Vulvalippen, die Klitoris, den Venushügel sowie die Öffnungen von Harnröhre und Vagina. Die Vagina ist dagegen der innere, schlauchförmige Kanal, der Vulva und Gebärmutter verbindet. Umgangssprachlich wird beides oft mit „Vagina" bezeichnet – anatomisch korrekt ist das aber nicht.

    Warum sagen so viele „Vagina", wenn sie die Vulva meinen?

    Das ist eine Frage der Aufklärung – und der Geschichte. Das weibliche Genital war in Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft lange tabuisiert und kaum Thema. Entsprechend fehlt vielen bis heute das Vokabular. Dabei ist es wichtig, den eigenen Körper benennen zu können – für Arztgespräche, für Selbstfürsorge, und für das eigene Körpergefühl. Wer die richtige Bezeichnung kennt, geht selbstbewusster mit dem eigenen Körper um.

    Ist die Klitoris nur die kleine Perle außen?

    Nein, das ist einer der hartnäckigsten Mythen. Was wir außen sehen – die sogenannte Klitoris-Eichel – ist nur die Spitze. Tatsächlich ist die Klitoris ein bis zu neun Zentimeter langes, komplexes Organ, das sich wie ein Hufeisen um die Vagina herumlegt. Ihre Schenkel sind Schwellkörper, die bei Erregung anschwellen – ähnlich wie der Penis. Mit über 8.000 Nervenfasern ist die Klitoris das lustsensitivste Organ des menschlichen Körpers.

    Wie sieht eine „normale" Vulva aus?

    Jede Vulva sieht anders aus – und das ist vollkommen normal. Vulvalippen unterscheiden sich in Größe, Form, Farbe und Symmetrie. Manche sind kleiner, manche größer, manche asymmetrisch. Manche Klitoris-Eicheln sind deutlich sichtbar, andere kaum. All das ist anatomische Normalität. Der Vergleich mit pornografischen Bildern (in denen Vulven oft retuschiert werden) oder das Streben nach einer „idealen" Vulvaform ist medizinisch vollkommen unbegründet.

    Muss ich die Vagina reinigen?

    Nein. Die Vagina ist ein Selbstreinigungssystem. Sie produziert von Natur aus Sekrete, die das innere Milieu im Gleichgewicht halten. Spülungen, Deos oder Intimsprays für den inneren Bereich stören dieses Gleichgewicht und können das Risiko für Infektionen erhöhen. Den äußeren Bereich – die Vulva – kannst du täglich mit lauwarmem Wasser und einem pH-angepassten Pflegeprodukt reinigen.

    Welches Pflegeprodukt ist für die Vulva geeignet?

    Geeignet sind pH-angepasste Produkte (pH 4–4,5), die frei von Duftstoffen, Alkohol und aggressiven Tensiden sind. Normale Duschgele oder Seifen sind meist zu basisch und können die empfindliche Haut im Intimbereich reizen. Ein speziell entwickeltes Intimwaschprodukt – wie das MYLILY Intim-Waschstück – ist hier die bessere Wahl.

    Warum ist die Vulva so oft schambesetzt?

    Das hat historische, kulturelle und religiöse Gründe. Weibliche Genitalien wurden in der Geschichte über Jahrhunderte als unrein, schambehaftet oder gefährlich dargestellt – und zugleich kaum erforscht oder offen besprochen. Das hat sich auf Sprache, Sexualerziehung und das Selbstbild von Frauen ausgewirkt. Dabei ist es bemerkenswert: Trotz ihrer Bedeutung für weibliche Lust ist die Klitoris erst seit 2005 vollständig dreidimensional kartiert. Die Beschäftigung mit dem eigenen Körper ist also nicht nur self care – sie ist auch ein kleiner Akt des Widerstands gegen diese Tradition.