Kälteurtikaria oder auch Kälteallergie

Februar 09, 2024

Kälteurtikaria – Wenn Kälte zur Herausforderung wird

by Jule Katzenberger

Inhaltsverzeichnis

    Kälteurtikaria – Wenn Kälte zur Herausforderung wird


    Ein kalter Windstoß, eine eiskalte Getränkedose oder gar ein Sprung ins kalte Wasser können für die meisten von uns unangenehme, aber vorübergehende Erfahrungen sein. Doch für manche Menschen bedeuten solche Situationen mehr als nur kurzzeitige Unannehmlichkeiten. Die Kälteurtikaria, auch bekannt als Kälteallergie, ist eine Reaktion des Immunsystems auf niedrige Temperaturen, bei der sich bei Betroffenen innerhalb von Minuten an einzelnen Stellen oder am ganzen Körper juckende Quaddeln bilden. Der Artikel beschäftigt sich damit, was diese seltene Krankheit eigentlich ist, woher sie kommt, wie sie sich äußert und welche Maßnahmen zur Behandlung getroffen werden können.

    Was ist eine Kälteurtikaria?

    Die Kälteurtikaria ist eine seltene Hauterkrankung, bei der Menschen empfindlich auf Kälte reagieren. Im Gegensatz zu einer klassischen Allergie handelt es sich dabei jedoch nicht um eine immunologische Reaktion gegen Fremdstoffe. Stattdessen reagiert der Körper auf physikalische Reize, insbesondere auf niedrige Temperaturen und Kälte mit einem juckenden Hautausschlag, der sich in Form von Quaddeln manifestiert. Der medizinische Begriff für dieses Phänomen ist Urtikaria, auch Nesselsucht genannt.

    Die Kälteurtikaria ist eher selten, wobei weniger als 0,1 Prozent der europäischen Bevölkerung betroffen sind. In der Regel sind junge Erwachsene betroffen, wobei Frauen häufiger von der Erkrankung betroffen sind als Männer. Ein interessantes Merkmal ist, dass sich die Krankheit bei vielen Betroffenen nach einigen Jahren von selbst zurückbildet, wobei die durchschnittliche Erkrankungsdauer zwischen vier und fünf Jahren liegt.

    Es ist wichtig zu betonen, dass die Kälteurtikaria nicht lebensbedrohlich ist, aber die Symptome können für Betroffene dennoch erheblich belastend sein. Die Erkrankung kann in der Regel durch Vermeidung von Kälte und gegebenenfalls durch medikamentöse Behandlung, beispielsweise mit Antihistaminika, kontrolliert werden. Bei schweren Fällen kann auch eine Therapie mit Antikörpern in Betracht gezogen werden. Es ist ratsam, bei Verdacht auf Kälteurtikaria einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose und geeignete Behandlungsoptionen zu erhalten.

    Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

    Die genaue Ursache der Kälteurtikaria bleibt oft im Dunkeln, aber einige Faktoren könnten das Risiko erhöhen. Eine mögliche genetische Veranlagung zeigt sich in bestimmten Fällen, während Infektionen, Medikamentenunverträglichkeiten oder Immuntherapien als Auslöser fungieren können. Zudem wird angenommen, dass Mastzellen in der Haut durch Kälte aktiviert werden. Diese Mastzellen setzen Histamin und andere Substanzen frei, die zu den typischen Hauterscheinungen führen. Interessanterweise kommt diese Erkrankung in nördlichen Klimazonen häufiger vor und betrifft mehr Frauen* als Männer*.

    Von den Symptomen zur Diagnose

    Die Symptome der Kälteurtikaria sind vielfältig und reichen von juckenden Quaddeln bis zu Kopf- und Gelenkschmerzen. Sie äußern sich nach Kontakt mit kalter Luft, kaltem Wasser oder kalten Gegenständen. Die Hautreaktion tritt oft sehr schnell auf, oft innerhalb von Minuten nach der Kälteexposition. Die Quaddeln ähneln denen, die durch Kontakt mit Brennnesseln oder bei einer Nesselsucht entstehen können, daher der Name. Diese Reaktion wird durch die Aktivierung von Mastzellen in der Haut ausgelöst, die wiederum den Botenstoff Histamin freisetzen. Die Schwere der Symptome variiert von Person zu Person, und in schlimmen Fällen können sie sogar lebensbedrohlich sein, besonders wenn große Körperbereiche plötzlich Kälte ausgesetzt sind.

    Die Diagnose einer Kälteurtikaria erfordert in der Regel eine sorgfältige Untersuchung durch eine Ärztin/einen Arzt, vorzugsweise eine*n Dermatolog*in oder Allergolog*in. Da die Diagnose oft komplex ist, werden meist die folgenden Schritte durchgeführt:

    1. Anamnese (Patientengeschichte): Der Arzt wird eine detaillierte Anamnese durchführen, um Informationen über die individuellen Symptome, den zeitlichen Verlauf und mögliche Auslöser zu erhalten. Es ist wichtig, dem Arzt mitzuteilen, wann die Hautreaktionen auftreten und unter welchen Bedingungen.

    2. Hautuntersuchung: Die Haut wird sorgfältig untersucht, insbesondere nachdem die Patientin/der Patient kalten Reizen ausgesetzt wurde. Dies kann durch das Platzieren von kalten Objekten auf der Haut oder durch Exposition gegenüber kalter Luft erfolgen.

    3. Kältetests: Um die individuelle Schwellentemperatur zu ermitteln, ab der Symptome auftreten, werden Kältetests durchgeführt. Dies kann den Kontakt mit kalten Metallstücken oder speziellen Kältebehältern beinhalten, um die Haut auf unterschiedliche Temperaturen zu testen.

    4. Ausschluss anderer Ursachen: Wichtig ist auch andere mögliche Ursachen für ähnliche Hautsymptome auszuschließen, um sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um eine Kälteurtikaria handelt und nicht um eine andere Hauterkrankung.

    5. Blutuntersuchungen: In einigen Fällen können Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Hautsymptome auszuschließen und um festzustellen, ob bestimmte Immunreaktionen vorliegen.

    Die Diagnose einer Kälteurtikaria kann manchmal komplex sein, da die Symptome auch durch andere Faktoren ausgelöst werden können. Nach der Diagnose kann die Ärztin/der Arzt gemeinsam mit der Patientin/dem Patienten geeignete Behandlungsmöglichkeiten besprechen, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität vor allem in der kalten Jahreszeit zu verbessern.

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    Behandlung und Selbsthilfemaßnahmen

    Obwohl die Kälteurtikaria keine Allergie ist, werden bei akuten Beschwerden oft Antihistaminika eingesetzt, um die Wirkung des freigesetzten Histamins zu reduzieren. In schwereren Fällen kann auch eine Therapie mit Antikörpern in Betracht gezogen werden. Der Schlüssel zur Bewältigung dieser Erkrankung liegt jedoch im Vermeiden von Kälte. Das ist jedoch oft und gerade in nördlichen Klimazonen und im Winter nicht einfach. Betroffene sollten auf kalte Speisen und Getränke verzichten, angemessene Kleidung tragen und besondere Vorsichtsmaßnahmen beim Baden in kaltem Wasser treffen.

    Es gibt jedoch auch noch einige weitere praktische Tipps für Betroffene um den Umgang mit Kälteurtikaria zu erleichtern und um die Symptome zu vermeiden oder zu lindern:

    1. Vermeiden von kalten Umgebungen: Achte darauf, warme Kleidung anzuziehen, kalten Situationen zu entgehen, insbesondere bei feuchtem und windigem Wetter und wärme dich mit einem geeigneten Produkt wie einem Wärmepad. Wenn möglich, sollte im Winter auch den kalten Temperaturen entflohen werden.

    2. Ernährung anpassen: Vermeide den Verzehr von sehr kalten Speisen und Getränken, um schmerzhafte Reaktionen im Mundbereich zu minimieren. Warme Gerichte und Getränke wie Tees eignen sich besser.

    3. Individuelle Schwellentemperatur kennen: Finde heraus, bei welcher Temperatur die Symptome auftreten, um sich entsprechend schützen zu können und das eigene Kältelimit zu kennen.

    4. Medikamentöse Behandlung: Konsultiere eine Ärztin/einen Arzt, um geeignete Medikamente einzunehmen, die bei akuten Beschwerden helfen können. Hier gibt es aktuell auch einige Studien, die den Einsatz von Medikamenten zur speziellen Behandlung einer Kälteurtikaria erforschen. Das Institut für Allergieforschung der Charite sucht laufend Proband*innen für die Studie

    Fazit

    Die Kälteurtikaria, auch bekannt als Kälteallergie, ist eine seltene, aber faszinierende Erkrankung, bei der der Körper auf niedrige Temperaturen mit juckenden Quaddeln reagiert. Die individuellen Symptome variieren, und die Krankheit kann in der Regel durch das Vermeiden von Kälte und den Einsatz von medikamentösen Behandlungen, wie Antihistaminika, kontrolliert werden. In schweren Fällen kann auch eine Therapie mit Antikörpern in Erwägung gezogen werden. Die Diagnose der Kälteurtikaria erfordert eine sorgfältige Untersuchung durch Fachärzt*innen. Durch das Verständnis der individuellen Schwellentemperatur können Betroffene gezielte Maßnahmen ergreifen, um sich vor den Auslösern zu schützen. Durch das Verständnis der Ursachen, Symptome und Bewältigungsstrategien können Betroffene einen Weg finden, mit dieser ungewöhnlichen Herausforderung umzugehen. Es bleibt zu hoffen, dass weiterführende Forschung und Studien neue Erkenntnisse liefern und effektivere Behandlungsansätze ermöglichen, um das Leben der Betroffenen weiter zu verbessern. Insgesamt verdeutlicht die Kälteurtikaria die Vielfalt der menschlichen Reaktionen auf Umweltreize und die Notwendigkeit eines umfassenden Verständnisses und Bewusstseins für die Krankheit, um solche Herausforderungen in Zukunft effektiv behandeln und bewältigen zu können.