FEBRUAR 08, 2020

Toxisches Schocksyndrom: eine Infektion, die mehr Aufklärung benötigt

by Heide Peuckert

Inhaltsverzeichnis

    Toxisches Schocksyndrom: eine Infektion, die mehr Aufklärung benötigt

    Das Toxische Schocksyndrom (TSS) ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, die durch Toxine verursacht wird, die von bestimmten Bakterien produziert werden. Besonders oft wird TSS mit der Verwendung von Tampons in Verbindung gebracht, aber auch andere Wundinfektionen können Auslöser sein. Trotz seiner Seltenheit ist es wichtig, über die Symptome, Ursachen und Präventionsmaßnahmen von TSS informiert zu sein, um frühzeitig handeln zu können und Risiken zu minimieren. TSS ist vielleicht am bekanntesten in Verbindung mit der Verwendung von Tampons, insbesondere bei jungen Frauen*. Das Syndrom wird durch bestimmte Bakterien verursacht, kann schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen haben und erfordert ein grundlegendes Verständnis, um präventive Maßnahmen zu ergreifen. In folgendem Artikel  werden wir uns eingehend mit den Ursachen, Symptomen, Risikofaktoren und präventiven Maßnahmen in Bezug auf das toxische Schocksyndrom befassen, um ein Bewusstsein zu schaffen und die notwendigen Informationen bereitzustellen, damit jede* in der Lage ist, potenzielle Risiken zu erkennen und angemessen zu handeln, um die eigene Gesundheit zu schützen. 

    Was genau ist das toxische Schocksyndrom eigentlich?

    Das toxische Schocksyndrom (TSS) ist eine seltene, aber ernste Erkrankung, die durch bestimmte Bakterien verursacht wird, in der Regel durch das Bakterium Staphylococcus aureus (Staph) oder Streptococcus pyogenes (Strep). Diese Bakterien produzieren Toxine, die zu den Symptomen des Syndroms führen können.

    Typischerweise tritt das toxische Schocksyndrom bei Menschen auf, deren Immunsystem geschwächt ist oder die bestimmte Risikofaktoren aufweisen, wie beispielsweise das Tragen von Tampons oder das Vorhandensein offener Wunden. Es kann jedoch auch bei Personen auftreten, die keine offensichtlichen Risikofaktoren aufweisen. Etwa 1 von 200.000 Personen pro Jahr ist betroffen. Prinzipiell können sich Frauen*, wie auch Männer* durch eine Wunde die Bakterien einfangen. Auch das Alter spielt keine Rolle, Kinder können genauso von TSS betroffen sein.

    Die Symptome von TSS können plötzlich auftreten und umfassen Fieber, niedriger Blutdruck, Hautausschläge (insbesondere an Handflächen und Fußsohlen), Erbrechen, Durchfall, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Verwirrtheit. Im Verlauf der Erkrankung kann es zu schwerwiegenden Komplikationen wie Organversagen kommen, was ein toxisches Schocksyndrom zu einer potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung macht.

    Diagnose des toxischen Schocksyndroms

    Die Diagnose von TSS basiert auf einer Kombination von Symptomen, klinischen Untersuchungen und Labortests, die das Vorhandensein der toxischen Substanzen im Körper nachweisen können. Die Behandlung des toxischen Schocksyndroms umfasst in der Regel die Gabe von Antibiotika, die Entfernung der Infektionsquelle (z. B. Tampon, wenn relevant) und unterstützende Maßnahmen zur Stabilisierung der Vitalfunktionen.

    Obwohl das toxische Schocksyndrom eine ernste Erkrankung ist, ist es wichtig anzumerken, dass es relativ selten ist und die meisten Menschen keine Probleme haben, solange sie sich aufmerksam bei Wunden verhalten und angemessene Hygienemaßnahmen befolgen. Regelmäßiges Wechseln von Tampons, richtige Wundversorgung und Aufmerksamkeit auf persönliche Hygiene sind wichtige Schritte zur Vorbeugung von TSS.

    Was passiert, wenn man sich infiziert und wie kann man das toxische Schocksyndrom erkennen?

    Wenn das Bakterium über die Gebärmutter oder eine offene Wunde in den Blutkreislauf gelangt, bildet es ein Gift, das einen Schock im Körper auslöst und für die betroffene Person tödlich sein kann. Diese Giftstoffe des TSS führen zu den Hauptsymptomen. Ohne Behandlung kann ein toxisches Schocksyndrom im schlimmsten Fall tödlich enden.

    Typische TSS-Symptome sind:

    • Hohes Fieber: Plötzliches Auftreten von hohem Fieber, oft über 39°C (102°F).
    • Hautausschlag: Ein charakteristischer Hautausschlag, der oft wie ein Sonnenbrand aussieht und besonders an den Handflächen und Fußsohlen auftritt.
    • Niedriger Blutdruck: Ein deutlicher Abfall des Blutdrucks, der zu Schwindel, Schwächegefühl oder Kollaps führen kann.
    • Erbrechen und Durchfall: Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können auftreten und zu Flüssigkeitsverlust führen.
    • Verwirrung oder Desorientierung: Veränderungen im mentalen Zustand wie Verwirrung, Desorientierung oder Bewusstseinsverlust.
    • Muskel- und Gelenkschmerzen: Starke Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen, die ähnlich wie bei einer schweren Grippe sein können.
    • Rötung der Augen, Mund und Rachen: Rötung und Entzündung der Schleimhäute in den Augen, im Mund und im Rachenbereich.
    • Kopfschmerzen: Starke,  über einen längeren Zeitraum anhaltende Kopfschmerzen.
    • Verwirrtheit und Bewusstseinsveränderungen: Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit oder andere neurologische Symptome.
    • Krämpfe: In einigen Fällen können Krampfanfälle auftreten.

    Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Symptome bei jeder oder jedem auftreten müssen und die Schwere der Symptome kann von Fall zu Fall variieren. Die schnelle Entwicklung dieser Symptome, insbesondere in Verbindung mit der Verwendung von Tampons oder einer Infektion, sollte als potenzielles Anzeichen für das toxische Schocksyndrom betrachtet werden. Bei Verdacht auf TSS ist eine sofortige ärztliche Untersuchung sowie eine entsprechende Therapie unerlässlich, da das Syndrom schnell lebensbedrohlich werden kann.

    WICHTIG: Sollten während oder unmittelbar nach der Periode die oben genannten Symptome auftreten und einem bewusst sein, dass man den Tampon unregelmäßig gewechselt hat, empfiehlt es sich schnellstmöglich zu einer/einem Ärztin/Arzt zu gehen, um Gewissheit zu erlangen.

    Toxisches Schocksyndrom als “Tampon Krankheit”?

    Trotz der wenigen Fälle ist TSS eine ernstzunehmende Erkrankung, die bereits bei einigen Patient*innen zu Todesfällen geführt hat. Besonders häufig passierte dies in den 70er-Jahren, als der erste sogenannte „super-absorbierende“ Tampon auf den Markt kam. Dieser bestand erstmals nicht mehr aus natürlichen Fasern, wie die davor üblichen Binden, sondern vorwiegend aus synthetischem Polyester und anderen Zusatzstoffen. Tampons werden in dieser Konstellation heute zum Glück nicht mehr verkauft. Der Name Tampon Krankheit ist jedoch trotzdem hängen geblieben.

    Leider ist das TSS bis heute noch weitestgehend unerforscht und es gibt nur kleine Studien, die zu verschiedenen Ergebnissen kamen. Eine Studie besagt, dass besonders synthetische, sehr saugfähige Tampons Magnesium binden und so die Scheidenflora verändern. Dies begünstigt, dass Bakterien durch die Vaginalschleimhaut in den Blutkreislauf gelangen. Dies wird durch die Studie des New York University Medical Center bekräftigt - so kann das Risiko, einen TSS zu erleiden, durch Tampons aus reiner Bio-Baumwolle reduziert werden.

    Generell gilt aber immer noch, dass das Risiko, am toxischen Schocksyndrom zu erkranken, sehr gering ist. Außerdem können Männer* und Kinder genauso wie Frauen* an TSS erkranken - nämlich über offene Wunden, über die Bakterien in den Blutkreislauf eindringen. Es ist besonders wichtig zu betonen, dass 

    Wie kann man TSS vorbeugen?

    Die Prävention des toxischen Schocksyndroms (TSS) konzentriert sich auf eine Reihe von Maßnahmen, die das Risiko einer Infektion mit den dafür verantwortlichen Bakterien minimieren. Hier sind einige wichtige Präventionsstrategien:

    Tampon regelmäßig wechseln: Je länger man den Tampon in der Vagina lässt, desto mehr Zeit haben Bakterien, die giftigen Toxine zu bilden und das Risiko, an einem toxischen Schock zu leiden, steigt. Aus diesem Grund sollte man den Tampon alle 4 oder nachts alle 8 Stunden wechseln. Es kann auch ratsam sein, nachts keinen Tampon zu benutzen, sondern auf herkömmliche Binden oder Menstruationsunterwäsche zurückzugreifen. Falls man jedoch nicht auf Tampons verzichten möchte, ist es ratsam, die niedrigste notwendige Saugstärke zu verwenden und super saugfähige Tampons zu vermeiden, wenn diese nicht nötig sind. Sehr wichtig ist außerdem, dass man sich vor dem Einführen des Tampons die Hände immer gründlich und mit Seife wäscht. Die Nutzer eines Diaphragmas sollten dieses nicht länger als notwendig tragen.

    Alternative Menstruationsprodukte: Menstruationstassen haben ein niedrigeres Risiko für TSS und können eine umweltfreundliche Alternative zu Tampons darstellen. Sterilisiere Menstruationstassen vor dem ersten Gebrauch und reinige sie gründlich nach jeder Verwendung. Auch Binden oder Slipeinlagen können während der Nacht oder als zusätzliche Schutzschicht verwendet werden, um das Risiko einer übermäßigen Tamponnutzung zu reduzieren.

    Wunden richtig behandeln: Reinige alle Schnitte, Kratzer oder Hautverletzungen gründlich und verwende bei Bedarf ein Antiseptikum. Vermeide bei offenen Wunden außerdem das Schwimmen oder Baden in offenen Gewässern, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. Außerdem sollte auf Anzeichen einer Infektion, wie Schwellungen oder Rötungen achtgeben werden und bei Auftreten dieser sofort ärztlicher Rat gesucht werden.

    Aufmerksamkeit auf Symptome: Achte auf Symptome wie plötzliches Fieber, Hautausschläge, Erbrechen oder Verwirrung, insbesondere während der Verwendung von Tampons. Bei Verdacht auf TSS sollte man sofort ärztliche Hilfe suchen.

    Die Beachtung dieser Präventionsstrategien ist entscheidend, um das Risiko einer Infektion mit den Bakterien, die TSS verursachen, zu minimieren. Indem man auf seine persönliche Hygiene achtet, Menstruationsprodukte richtig verwendet und auf Symptome achtet, kann man wichtige Maßnahmen für die eigene Gesundheit treffen. Durch das Informieren anderer über die Entstehung und Symptome eines toxischen Schocksyndroms kann man zudem einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und Prävention der Erkrankung leisten.