Hormonfrei verhüten: 5 Alternativen zur Pille

Geht es nur uns so, oder drehen sich die Gespräche in eurer Mädelsrunde in letzter Zeit auch immer öfter um das Thema "Blogeintrag zum Thema Pille absetzen" In den letzten Jahren zeigt sich tatsächlich ein deutlicher Trend: Immer mehr Mädchen* und Frauen* möchten ihren Körper nicht mehr weiter mit Hormonen belasten und steigen auf hormonfreie Alternativen der Verhütung um. Zu Recht, wie wir finden!

Gängige Verhütungsmittel mit Hormonen sind die Anti-Baby-Pille, der Verhütungsring, die Dreimonatsspritze, die Hormonspirale, das Hormonstäbchen (als Implantat im Oberarm eingesetzt) und Verhütungspflaster. Auch wenn sich diese hormonellen Verhütungsmethoden voneinander unterscheiden, so haben sie doch eines gemeinsam: Durch die Einnahme der hormonellen Verhütungsmittel wird in den natürlichen Hormonhaushalt des Körpers eingegriffen und der weibliche Zyklus verändert. Nicht nur ist der Eingriff in den Hormonhaushalt für viele ein komisches Gefühl, sondern für viele Frauen* bringt er auch mögliche Nebenwirkungen mit sich. Dazu gehören zum Beispiel Hautprobleme, Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen, Migräne, verringerte Libido und Schmierblutungen. Doch auch ernste Nebenwirkungen können auftreten, beispielsweise besteht eine erhöhte Thrombosegefahr und eine Belastung der Leber durch die Einnahme der Pille.

Bist du auch an dem Punkt, an dem du einfach keine Lust mehr hast, deinen Körper mit Hormonen zu belasten? Dann beginnt jetzt die Suche nach einer Alternative! Zum Glück gibt es mittlerweile eine Menge alternative Verhütungsmittel, welche eine Schwangerschaft ohne den Einfluss von Hormonen zuverlässig verhindern können. Dabei ist natürlich vor allem die Sicherheit des jeweiligen Verhütungsmittel wichtig. Diese wird durch den sogenannten Pearl-Index angegeben. Damit du genau verstehst, was damit gemeint ist, hier ein kurzes Beispiel: Die Sicherheit der Pille wird mit einem Pearl-Index von 0.1 bis 0.9 angegeben. Das bedeutet, dass von 1000 Frauen*, welche die Pille als Verhütungsmittel nutzen, pro Jahr eine bis neun Frauen* trotz Verhütung schwanger werden.

Spirale, Kondom und Co. - Welche Methode ist am besten für dich geeignet? Wir informieren dich über ihre Vor- und Nachteile und klären dich über die besten alternativen Verhütungsmethoden auf!

1. NFP - natürliche Familienplanung

Die natürliche Familienplanung, kurz NFP, ist eine Methode, mit welcher man man durch genaues Analysieren des Zyklus herausfindet, wann die fruchtbaren Tage sind und an welchen Tagen somit die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht. Am besten funktioniert das mit einem Zykluscomputer, mit welchem verschiedene Parameter beobachtet und dokumentiert werden können: Temperaturmessung, Beobachtung des Zervixschleims sowie die Messung von Hormonen im Morgenurin kommen dabei in Frage. Vor allem eine Kombination der Parameter sorgen dabei für eine relativ sichere Vorhersage des Eisprungs und der fruchtbaren Tage.

Bei dieser Verhütungsmethode ist Eigenverantwortung gefragt: Der Pearl-Index variiert deshalb je nach Studie stark. Diese Zahl ist also wenig aussagekräftig, da die Sicherheit der Methode stark davon abhängig ist, wie ordentlich und genau der eigene Zyklus beobachtet und dokumentiert wird. Sicher ist jedoch: Bei gewissenhafter Anwendung und genauer Beobachtung des eigenen Zyklusses kann die NFP eine sehr sichere Methode sein. Hat man jedoch keinen geregelten Alltag oder einen sehr unregelmäßigen Zyklus, so sollte man eher vorsichtig mit dieser Verhütungsmethode sein. Vor allem für junge Mädchen* ist die NFP deswegen weniger geeignet, da der weibliche Zyklus anfangs oft unregelmäßig und somit schwieriger zu tracken ist. Dennoch: Wir finden die NFP klasse! Durch die Beobachtung deines Zyklus lernst du viel über deinen Körper und wirst mit ihm vertraut. Wenn du dich anfangs nicht sicher mit dieser Methode fühlst, so kannst du sie mit weiteren hormonfreien Verhütungsmethoden wie Kondomen und Co. kombinieren und deinen Körper auf diese Weise in Ruhe kennenlernen.

Vorteile:

  • Komplett natürliche Verhütung ohne Hormone, Nebenwirkungen und Fremdkörper
  • Du lernst deinen Zyklus ganz neu kennen
  • Bei richtiger Anwendung durchaus eine sichere und hormonfreie Alternative zur Pille
  • Hilft auch bei einem Kinderwunsch, da du genau deine fruchtbaren Tage kennst

Nachteile:

  • Erfordert viel Geduld, Planung, gute Beratung und Disziplin
  • Nicht geeignet bei stark unregelmäßigem Zyklus oder stressigem Alltag
  • Für junge Frauen* eher nicht geeignet
  • Die natürliche Familienplanung ist erst durch eine Kombination aus verschiedenen Methoden sicher, einzelne Methoden wie Temperaturmessung reichen alleine oft nicht aus
  • Vorsicht ist bei den sogenannten Zyklus-Apps geboten: Durch die Kalendermethode können nur sehr ungenaue Vorhersagen über die Zeit des Eisprungs gemacht werden, da die wenigsten Frauen* einen derart regelmäßigen Zyklus haben

2. Kupferspirale

Alternative Verhütung durch Barrieremethoden (Kupferspirale, Kupferkette, Kondome und Co.) schützen vor einer Schwangerschaft, indem sie das Aufeinandertreffen von Spermien und Eizellen verhindern. Die Kupferspirale liegt dabei in der Gebärmutter und sorgt durch Kupferionen dafür, dass Spermien nur schwer in die Gebärmutter gelangen und ein befruchtetes Ei sich nicht in der Gebärmutterwand einnisten kann. Klingt höchst komplex - ist aber durchaus wirkungsvoll. Der Pearl-Index der Kupferspirale liegt bei 0.3 bis 1 und zeigt damit, dass die Kupferspirale beinahe genau so sicher ist wie die Pille.

Die Einlage der Kupferspirale ist meist mit kurzen, aber aushaltbaren Schmerzen verbunden, danach sollte eine Woche auf Sex, Sport und Tampons verzichtet werden. Ein Nachteil der Kupferspirale ist, dass die Regelblutung bei manchen Frauen* leicht verstärkt werden kann. Dennoch: Horrorgeschichten über hohe Infektionsgefahren und Co. sind längst widerlegt. Mittlerweile gibt es Kupferspiralen in den verschiedensten Größen und für beinahe jede Gebärmutter ist eine passende dabei, egal ob man bereits Kinder bekommen hat oder nicht.

Vorteile:

  • Hohe Sicherheit
  • Natürlicher Zyklus bleibt unbeeinflusst
  • Für beinahe jede Frau* geeignet
  • Keine Risiken durch erhöhte Infektionsgefahr

Nachteile:

  • Menstruationsblutung und Regelschmerzen können verstärkt werden
  • Geringe Gefahr des Herausfallens oder Verrutschens besteht
  • Einmalig relativ hohe Kosten von ca. 300€

3. Die Kupferkette

Eine moderne und immer beliebter werdende Alternative zur Kupferspirale ist die Kupferkette (Gynefix), da sie im Gegensatz zur herkömmlichen Spirale deutlich kleiner ist und flexibler in der Gebärmutter liegt. Die Sicherheit der Kupferkette ist dabei ebenfalls sehr hoch (Pearl-Index 0.1-0.5) und die Einlage wird vor allem auch für junge Frauen mit kleiner Gebärmutter empfohlen. Befestigt wird die Kette durch einen kleinen Knoten, welcher in die Gebärmutterwand eingestochen wird. Der Eingriff ist für manche Frauen* etwas schmerzhaft, jedoch in nullkommanichts vorbei. Für das Einsetzen der Kette eine gewisse Dicke der Gebärmutterwand notwendig - der Arzt oder die Ärztin misst diese vorher aus und entscheidet, ob man für die Einlage der Kupferkette geeignet ist.

 

Vorteile:

  • Hohe Sicherheit (Mindestens so sicher wie die Pille!) und keine Nebenwirkungen durch Hormone
  • Keine verstärkte Blutung während der Periode, da die Kette im Gegensatz zur Spirale kaum Berührungspunkte mit der Gebärmutterwand aufweist
  • Auch eine erhöhte Infektionsgefahr besteht mit der Kupferkette nicht
  • Der größte Vorteil von allen besteht aber natürlich darin, dass bis zu fünf Jahre lang (!) nicht mehr an die Verhütung gedacht werden muss und du ganz nebenbei deinen natürlichen Zyklus erleben kannst - ein Traum!

Nachteile:

  • In den ersten Monaten besteht die geringe Gefahr, dass die Kupferkette aus der Gebärmutter rausfallen kann. Meist schließt man bei der Einlage jedoch meist eine Versicherung ab, die ein erneutes Einsetzen ohne Kosten beinhaltet.
  • Es können ab und zu vermehrt Schmierblutungen auftreten.
  • Die Kosten der Kette variieren zwischen 150-350€ Euro und werden nur selten von der Krankenkasse übernommen.

 

Die vorgestellten intrauterinen (= in der Gebärmutter liegenden) Verhütungsmittel haben eines gemeinsam - sie bieten eine hohe Sicherheit, weil es bei ihnen keine Möglichkeit für Einnahmefehler gibt. Wird die korrekte Lage regelmäßig von einem Arzt oder einer Ärztin kontrolliert, so kann ein Verrutschen und Herausfallen meist verhindert werden. Außerdem nehmen sie keinen Einfluss auf den natürlichen Zyklus und man kann nach dem Entfernen sofort schwanger werden, da - anders als bei hormonellen Verhütungsmitteln - die Eierstöcke nicht erst wieder aus dem Tiefschlaf erwachen müssen. Dennoch muss jeder selbst für sich entscheiden, ob diese Methoden für einen in Frage kommen und sich gegebenenfalls bei der Frauenärzt*in beraten lassen.

4. Diaphragma, Frauenkondom und andere Exoten der Verhütungsmethoden

Das Diaphragma, auch Portiokappe gennant, ist eine Art Schale aus Kunststoff, welche vor dem Sex in die Scheide eingeführt wird und die das Eintreten der Spermien in die Gebärmutter verhindern soll. Das Frauenkondom hingegen ist eine hauchdünne Folie, die an ein normales Kondom erinnert. Es wird in der Scheide platziert und soll sowohl vor einer Schwangerschaft als auch vor übertragbaren Geschlechtskrankheiten schützen.

Beide dieser Methoden zur Schwangerschaftsverhütung sind weniger geläufig und eher unbekannt.

 

Vorteile:

  • Frauen* können damit (auch kurzfristig) verhüten, ohne sich auf den Mann* und seine Verhütungskünste mit Kondomen verlassen zu müssen

Nachteile:

  • Spontaner Sex ist damit unmöglich
  • Keine hohe Sicherheit: Pearl-Index von 1-20

5. Last but not least: Die guten, alten Kondome!

Der Klassiker unter den Verhütungsmethoden ist das Kondom. Es ist günstig und praktisch, bei richtiger Anwendung sicher und schützt zusätzlich als einziges Verhütungsmittel vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten. Mit einem Pearl-Index von 2-12 hat es leider eine recht hohe Versagerrate, hinter welcher sich meist Fehler bei der Anwendung verbergen. Kondome als einziges Verhütungsmittel sind somit nur dann geeignet, wenn dein Partner und du es gewissenhaft und sorgfältig anwendet. Dennoch lieben wir das Kondom, denn es ist leider (Stand jetzt) die einzige Verhütungsmethode, zu welcher die Männer* etwas beitragen können!

Wichtig: Für One-Night-Stands und neue Partner gilt: Kein Sex ohne Kondom! So haben Geschlechtskrankheiten keine Chance und du kannst dich unbesorgt ausleben, wie, wann und mit wem du möchtest!

Vorteile:

  • Günstig, unkompliziert und absolut frei von Hormonen!
  • Der Mann* kann seinen Beitrag zur Verhütung leisten
  • Bei richtiger Anwendung sicher
  • Und vor allem: Es schützt als einziges Verhütungsmittel vor übertragbaren Geschlechtskrankheiten!

Nachteile:

  • Bei falscher Anwendung kann das Kondom reißen
  • Manche empfinden es beim Sex störend und "unspontan"
  • Kann bei falscher Aufbewahrung beschädigt werden
  • Produziert (leider) immer ein wenig Müll

Wenn der Kinderwunsch endgültig vom Tisch ist: Die Sterilisation

Eine weitere Verhütungsmethode, die wir an dieser Stelle kurz erwähnen wollen, ist die Sterilisation. Sie ist sowohl beim Mann* als auch bei der Frau* möglich, allerdings ist die Vasektomie beim Mann* sehr viel unkomplizierter und risikoarmer. Finden wir gut - denn schließlich schlagen wir Frauen* uns schon unser ganzes Leben mit der Verhütungsproblematik herum! Eine Vasektomie ist dann empfehlenswert, wenn ein Kinderwunsch mit Sicherheit auszuschließen ist oder die Familienplanung bereits abgeschlossen ist. Weitere Informationen dazu erfahren du und dein Partner bei eurem Arzt oder eurer Ärztin.

Nicht empfehlenswerte Verhütungsmethoden: Finger weg!

  • Chemische Verhütung: Durch Spermizide und Co. werden bei der chemischen Verhütung Cremes und Salben aufgetragen, welche die Spermien abtöten sollen. Tatsächlich ist das jedoch weder besonders sicher, noch besonders gut für dich und deinen Körper. Für uns bei MYLILY gilt: Wir wollen so wenig wie möglich Chemie an und in unseren Körper bringen - vor allem, was unseren Intimbereich betrifft. Deswegen raten wir dazu, chemische Verhütungsmethoden zu meiden und auf eine natürliche, nicht-schädliche Methode umzusteigen!

 

  • Coitus Interruptus: Diese Methode, oft auch als "Pull-Out-Method" bezeichnet, fällt definitiv nicht unter empfehlenswerte oder sichere Verhütungsmethoden. Leider sind vor allem oft Männer* überzeugt davon, genügend Kontrolle über ihr bestes Stück zu besitzen und ihn vor dem Samenerguss aus der Scheide herausziehen zu können. Das ist jedoch weder sicher noch verantwortungsvoll, da sich bereits im Lusttropfen Spermien befinden können, die zu einer Schwangerschaft führen können. Wenn dir ein Mann diese Verhütungsmethode vorschlägt, dann heißt es also wortwörtlich - Finger weg!

Darauf solltest du bei der Auswahl deiner Verhütungsmethode achten:

Aufgepasst - dein*e Frauen*ärztin ist natürlich dein Ansprechpartner Nummer Eins, wenn es um das Thema Verhütung und Sexualität geht. Dennoch solltest du im Hinterkopf behalten, dass nicht jede*r Ärzt*in alle Verhütungsmethoden anbietet bzw. darüber aufklärt. Viele Ärzte und Ärztinnen verschreiben leider oft direkt die Antibabypille, ohne weitere Aufklärung über Alternativen. Auch auf die (Langzeit-)Nebenwirkungen der Pille wird dabei häufig nicht ausreichend hingewiesen. Doch zum Glück gibt es genügend Gynäkolog*innen, die immer top informiert über neue, alternative Verhütungsmethoden sind und dir gerne deine Fragen beantworten. Interessierst du dich beispielsweise für die Gynefix Kupferkette, so gibt es online eine Liste von Gynäkolog*innen zu finden, welche diese Methode anbieten und dich beraten können. Es gilt: Wer sucht, der findet auch eine geeignete Ärztin oder Arzt, welche*r auf die jeweiligen Bedürfnisse eingeht und das passende Verhütungsmittel findet.

Und zu guter Letzt nochmal ein kleiner Reminder: Verhütung ist nicht allein Frauensache! Lass dich gemeinsam mit deinem Partner beraten, teilt euch die anfallenden Kosten oder findet eine andere Lösung, wie ihr beide etwas zur Verhütung beitragen und entspannt euer Sex-Leben genießen könnt!




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