Toxisches Schocksyndrom: eine Infektion, die mehr Aufklärung benötigt

„Das toxische-WAS?“ So erging es mir vor ein paar Jahren, als ich zum ersten Mal in meinem Leben vom toxischen Schocksyndrom, kurz TSS, erfuhr. Es war ein ganz normaler Abend, an dem ich mir die Nachrichten ansah, in denen auch ein Beitrag über “toxisches Schocksyndrom” ausgestrahlt wurde. Dieser Beitrag schockierte mich besonders und regte mich stark zum Nachdenken an. Daraufhin öffnete ich Google und recherchierte, bis ich das Gefühl hatte, gut über dieses Thema informiert zu sein.

Jedoch fragte ich mich immer noch: “Wie kann es sein, dass ich monatlich mehrere Tampons benutzte, und trotzdem nach jahrelanger Nutzung erst jetzt von dieser sogenannten Tampon Krankheit erfahre?“ Natürlich wusste ich, dass man sich den Beipackzettel der Tampons ausführlich vor dem ersten Benutzen durchlesen sollte, doch im zarten Alter von 12 vertraute ich da einfach den Anweisungen meiner Mutter Die musste ja schließlich wissen, wie man einen Tampon richtig benutzt, dachte ich. Auch im Biologieunterricht kam dieses Thema nie auf. So wurden zwar Themen wie die Periode und Geschlechtskrankheiten durchgenommen, doch auf TSS wurde gänzlich verzichtet.

Da TSS noch zu unbekannt ist und die Symptome sehr unterschiedlich sein können, ist es meist schwierig, es als solches zu diagnostizieren. Deshalb ist es umso wichtiger, dass du die Menschen in deinem Umfeld auf diese Krankheit aufmerksam machst und sensibilisierst. Außerdem ist es besonders wichtig schnell zu handeln, denn die Bakterien verteilen sich rasend schnell im Körper. Damit du dir die große Recherche sparen kannst, haben wir im Folgenden die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Aber was genau ist das toxische Schocksyndrom eigentlich?

TSS ist ein schweres Kreislauf- und Organversagen, das durch das Bakterium Staphylococcus aureus, oder seltener von Streptokokken hervorgerufen wird. Diese können für Menschen gefärliche Toxine bilden.
Zum Glück sehr selten, denn nur 1 von 200.000 Personen pro Jahr ist betroffen. Prinzipiell können sich Frauen, wie auch Männer, über eine Wunde die Bakterien einfangen. Auch das Alter spielt keine Rolle, Kinder können genauso von TSS betroffen sein.

Was passiert, wenn man sich infiziert und wie kann man das toxische Schocksyndrom erkennen?

Wenn das Bakterium über die Gebärmutter oder eine offene Wunde in den Blutkreislauf kommt, bildet es ein Gift, das einen Schock im Körper auslöst und für die betroffene Person tödlich sein kann. Diese Giftstoffe des TSS führen zu den Hauptsymptomen Fieber, Blutdruckabfall, Hautausschlag, Muskelschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Nieren- und Leberschäden, Bewusstseinstrübung und Multiorganversagen. Ohne Behandlung kann ein toxisches Schocksyndrom im schlimmsten Fall tödlich enden.

Typische TSS-Symptome sind außerdem:

  • Fieber
  • Blutdruckabfall, niedriger Blutdruck, Schwindelanfälle, Ohnmacht
  • großflächiger Hautausschlag und sonnenbrandähnliche Hautrötungen
  • Atembeschwerden
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Muskelschmerzen
  • Blaue Flecken (Hämatome)
  • Herzrasen
  • Desorientierung oder Verwirrtheit       

WICHTIG: Sollten bei dir während oder unmittelbar nach der Periode die oben genannten Symptome auftreten und dir bewusst sein, dass du deinen Tampon unregelmäßig gewechselt hast, verfalle nicht in Panik. Gehe bitte trotzdem schnellstmöglich zum Arzt, um Gewissheit zu erlangen.

Toxisches Schocksyndrom als “Tampon Krankheit”?

Trotz der wenigen Fälle ist TSS eine ernst zu nehmende Erkrankung, die leider bereits zu einigen Todesfällen geführt hat. Besonders häufig passierte dies in den 70er-Jahren, als der erste sogenannte „super-absorbierende“ Tampon auf den Markt kam. Dieser bestand erstmals nicht mehr aus natürlichen Fasern, sondern vorwiegend aus synthetischem Polyester und anderen Zusatzstoffen. Tampons werden in dieser Konstellation heute zum Glück nicht mehr verkauft. Der Name Tampon Krankheit ist trotzdem hängen geblieben.

Leider ist TSS bis heute noch weitestgehend unerforscht und es gibt nur kleine Studien, die jedoch zu verschiedenen Ergebnissen kamen. Eine Studie besagt, dass besonders synthetische, sehr saugfähige Tampons Magnesium binden und so die Scheidenflora verändern. Dies begünstigt, dass Bakterien durch die Vaginalschleimhaut in den Blutkreislauf gelangen. Dies wird durch die Studie des New York University Medical Center unterfüttert: so kann das Risiko einen TSS zu erleiden durch Tampons aus reiner Bio-Baumwolle reduziert werden.

Andererseits gibt es auch Studien in die gegensätzliche Richtung. Das heißt, dass synthetische Tampons das Risiko vermindern können. In diesem Punkt müssen wir leider noch auf genauere Forschungsergebnisse warten und werden euch natürlich auf dem Laufenden halten, sobald es etwas Neues gibt!

Toxisches Schocksyndrom: Auch über Wunden
Auch über Wunden können Bakterien ins Blut gelangen, die TSS auslösen.

Generell wollen wir aber nochmal betonen, dass das Risiko wirklich sehr gering ist. Außerdem können Männer und Kinder genauso an TSS erkranken, nämlich über offene Wunden über die Bakterien eingedrungen sind. Das ist wichtig, damit TSS beim Auftreten der typischen Symptome auch bei nicht Menstruierenden nicht pauschal ausgeschlossen wird.

Wie kann man TSS vorbeugen?

Allgemein gilt: umso länger du den Tampon in deiner Vagina lässt, desto mehr Zeit haben Bakterien die giftigen Toxine zu bilden und das Risiko einen toxischen Schock zu erleiden, steigt. Aus diesem Grund solltest du deinen Tampon alle 4, oder nachts alle 8 Stunden, wechseln. Weitere Methoden sind die Verwendung des kleinstmöglichen Tampons. Das solltest du sowieso immer machen, denn nur dann halten Tampons dicht. Super wichtig ist, dass du vor dem Einführen immer gründlich und mit Seife deine Hände wäschst. Die Nutzer eines Diaphragmas sollten dieses nicht länger als notwendig tragen.

Entgegen der landläufigen Meinung können sich die Bakterien auch bei Nutzung von anderen Perioden- und Verhütungsprodukten bilden. Im Vergleich zu Tampons ist die Bildung bei z.B. Menstruationstassen jedoch geringer, wenn eine Frau sorgfältig darauf achtet, dass die Menstruationstasse regelmäßig entleert und korrekt gereinigt wird. Aber selbst bei Menstruationstassen und Binden besteht weiterhin ein minimales Risiko für toxisches Schocksyndrom. TSS muss bei der Wahl deiner Monatshygiene also keine Rolle spielen.

Toxisches Schocksyndrom: Kann auch Kinder und Männer treffen
Nicht nur bei Menstruierenden kann TSS auftreten

Zu guter Letzt verhindert Aufklärung auch das Infizieren, deshalb ist es umso wichtiger, dass ihr so vielen Personen wie möglich davon erzählt. Wir hoffen, dass wir euch einen guten Überblick über den Begriff “toxisches Schocksyndrom” vermitteln konnten! Falls du noch Fragen hast, dann stelle uns diese gerne auf Instagram (@mylilyorganic).

2019-03-02T21:03:09+00:00

Über den Autor:

MYLILY
Wir sind ehrlich, nachhaltig und finden, dass Frauen* wunderbar sind! Wir machen uns Gedanken & brechen Tabus. Mit einem Lächeln, gutem Gewissen und 100% nachhaltigen Periode-Produkten. Was wir auch tun: wir machen den Mund auf, setzen uns ein für Bodypositivity, die Stärkung von Frauen, Nachhaltigkeit und Aufklärung. Damit jede Frau weiß, was in ihr steckt - nicht nur, wenn's um Tampons geht.