Natürliche Verhütung: Alternativen zur Pille und worauf du achten solltest

Immer mehr Frauen interessieren sich für natürliche Verhütungsmethoden und überlegen die Pille abzusetzen. Der wichtigste Grund dafür ist, dass diese Methoden nicht in den weiblichen Hormonhaushalt eingreifen. Die meisten natürlichen Methoden zur Verhütung basieren darauf, den eigenen Körper ganz genau zu beobachten und die regelmäßig wiederkehrenden Zeichen des Körpers zu entschlüsseln. Alle vorgestellten Methoden eignen sich nicht nur zur Verhütung, sondern lassen sich auch zur Familienplanung einsetzen.

Damit diese Methoden auch funktionieren sind viel Geduld und Disziplin gefragt. Wir stellen dir hier verschiedene Arten der natürlichen Verhütung vor und erklären wie sicher und zuverlässig diese sind.

Natürliche Verhütung per Thermometer

Die bekannteste hormonfreie Verhütung ist die sogenannte „Basaltemperaturmethode“. Hier wird mit Hilfe der „Aufwachtemperatur“ der Eisprung und die fruchtbaren Tage ermittelt. Um eine Schwangerschaft während den fruchtbaren Tagen zu verhindern muss natürlich trotzdem verhütet werden (z.B. mit einem Kondom).

Der Pearl-Index liegt bei dieser Methode zwischen 0,8 und 3. Dieser Index gibt die Sicherheit der Verhütungsmethode an. Je höher der Wert ausfällt, desto unsicherer ist die Methode. Die Pille liegt beispielsweise zwischen 0,1 und 0,9. Im Vergleich zu anderen natürlichen Verhütungsmitteln zählt die Temperaturmethode zu den sichersten. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Methode gratis ist. Um die “Basalthemperaturmethode” erfolgreich anwenden zu können brauchst du allerdings einen geregelten Alltag und einen regelmäßigen Zyklus. Außerdem kann mit dieser Methode nur das Ende der fruchtbaren Tage sicher bestimmt werden.

Jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen, und noch vor dem Aufstehen, wird die Temperatur gemessen. Um die Genauigkeit zu erhöhen misst du am besten immer zur selben Zeit. Du solltest vorher mindestens 5-6 Stunden geschlafen haben. Diese Werte werden dann in eine Temperaturtabelle eingetragen. Das kannst du entweder analog in deinem Notizbuch machen, oder eine Zyklusapp benutzen.

Die Basaltemperatur verändert sich während deines Zyklus. In der ersten Hälfte, angefangen mit der Menstruation, ist sie auf einem niedrigeren Niveau. Nach dem Eisprung steigt sie dann an (0,2-0,5°C). Der genaue Zeitpunkt des Eisprungs ist so allerdings nicht ermittelbar da dieser 1-2 Tage vor dem Temperaturanstieg stattfindet. Wenn deine Temperatur drei Tage auf dem höheren Niveau verblieben ist sind deine fruchtbaren Tage vorbei und du musst nicht verhüten.

Gemessen werden kann mit einem ganz normalen Fieberthermometer. Das Gerät sollte allerdings auf zwei Nachkommastellen genau messen, da sich deine Temperatur nur um wenige Zehntel verändert. Es ist egal wo du deine Temperatur misst (Mund, Scheide, After), allerdings solltest du immer dieselbe Stelle nehmen.

Natürliche Verhütung durch Beobachtung des Zervixschleims

Diese Verhütungsmethode wird auch als „Billings-Methode“ bezeichnet und geht zurück auf das gleichnamige Ärztepaar. Das Scheidensekret, sprich der Zervixschleim, dient hierbei als Indikator für die fruchtbaren Tage einer Frau.

Dieses Scheidensekret verändert sich während des Zyklus aufgrund der schwankenden Ausschüttung der Hormonmengen. Der Zervixschleim ist während des Eisprungs eher dünnflüssig und klar. Dadurch ist dieser auch viel durchgängiger für Spermien. An besonders fruchtbaren Tagen ist der Schleim sozusagen spinnbar, sprich der Schleim kann zwischen Zeigefinger und Daumen einen bis zu sechs Zentimeter langen Faden ziehen.

Um deine Fruchtbaren Tage zu ermitteln beobachtest und dokumentierst du die Konsistenz deines Scheidensekrets am Morgen. Du wirst sehen, dass dieser sich im Verlauf deines Zyklus verändert. Mit der Zeit lernst du ihn zu deuten und kannst so ermitteln, wann zusätzliche Verhütung notwendig ist. Die kritischen Tage beginnen, sobald das Sekret klar wird.

Die natürliche Verhütung durch die Beobachtung des Zervixschleim ist einfach und schnell anzuwenden. Außerdem entstehen durch diese Vorgehensweise keine Kosten für die Verhütung. Damit die Sicherheit auch gegeben ist, braucht es allerdings ein geschultes Auge und Übung. Das Sekret kann sich außerdem bei einer bakteriellen Infektion oder psychischen Belastungen verändern, welches deine Interpretation verfälschen kann. Der Pearl-Index liegt bei dieser Methode bei 5 und ist daher unsicherer als die Temperaturmessmethode.

Kombination von natürlichen Verhütungsmethoden

Du kannst die Sicherheit bei der natürlichen Verhütung erhöhen, wenn du im Laufe deines Zyklus mehrere deiner Körpersignale beobachtest und dokumentierst. Die Rötzermethode, auch als symptothermale Methode bezeichnet, ist die Kombination von Billings-Methode und Basaltemperaturmethode. Diese Methode zählt zu einer der sichersten mit einem Pearl-Index von 0,3.

Wie oben beschrieben misst du also jeden Morgen nach dem Aufwachen deine Temperatur und untersuchts zusätzlich deinen Zervixschleim. Die Veränderung des Zervixschleimes kann dir Auskunft über den Beginn der fruchtbaren Tage geben und die Veränderung der Temperatur über das Ende. So kannst du die Zeit, in der du verhüten muss, besser eingrenzen als mit nur einer der beiden Methoden.

Um noch sicherer zu sein kannst du auch deinen Muttermund regelmäßig untersuchen. Es ist so, dass der Muttermund während der fruchtbaren Tage wesentlich weicher ist und mit mehr Scheidensekret bedeckt ist. Darüber hinaus lässt sich die Muttermundöffnung an diesen Tagen auch leichter ertasten. Deutlich trockener ist der Muttermund an unfruchtbaren Tagen. Die Öffnung ist zudem kleiner und härter.

Natürlich verhüten mit der Hormonmessung im Urin

Nicht nur die Temperatur ist ein deutliches Zeichen für die fruchtbaren Tage, sondern auch der Hormongehalt. Hierbei wird anhand des Gehalts an LH-Hormonen und Östrogenen verhütet. Dafür brauchst du einen sogenannten Zykluscomputer bzw. Verhütungscomputer. Dieser misst mit Hilfe von Teststreifen die Hormone in deinem Urin. Je nach Hersteller ist die Sicherheit relativ hoch. Der Pearl-Index liegt zwischen 0,6 und 4. Allerdings ist so ein Gerät mit 80-180€ ziemlich teuer und mit den Teststreifen fallen immer wieder kosten an (1-3€).

Der Computer misst zwei Hormone. Das LH-Hormon ist unter anderem zuständig für das Auslösen deines Eisprungs. Auch der Östrogenspiegel steigt zu dieser Zeit an, um die Einnistung der befruchteten Eizelle zu erleichtern. Sowohl das LH-Hormon als auch das Östrogen kann im Morgenurin nachgewiesen und gemessen werden.

Die meisten Geräte signalisieren dir mit Hilfe von verschiedenfarbigen Lämpchen, wo in deinem Zyklus du dich befindest und ob eine Messung der Fruchtbarkeit notwendig ist. Im ersten Monat der Benutzung sind noch ganze 16 Messungen notwendig, danach noch acht. Um die Fruchtbarkeit zu verschiedenen Zeitpunkten zu ermitteln hältst du einen Teststreifen in deinen Morgenurin. Der Computer wertet diesen dann aus. Die Teststreifen kannst du in der Drogerie nachkaufen.

Diese Methoden, zur natürlichen Verhütung, sind nicht zu empfehlen: Verhütung mit Coitus Interruptus oder Kalender

Die Methode des Coitus Interruptus zählt auf jeden Fall zu den unsichersten hormonfreien Verhütungsmethoden. Dabei handelt es sich um eine Unterbrechung des Geschlechtsverkehrs. Hierbei zieht der Partner den Penis kurz vor seinem Orgasmus aus der Scheide, und will dadurch verhindern, dass seine Spermien zur weiblichen Eizelle gelangen. Allerdings treten bereits vor dem Orgasmus einige Spermien aus, auch als „Lusttropfen“ bezeichnet. Daher ist diese Verhütungsmethode nicht wirklich geeignet, um Schwangerschaften zu vermeiden. Lediglich das Befruchtungsrisiko reduziert sich dadurch. Die Methode ist daher auf keinen Fall zu empfehlen um eine Schwangerschaft sicher zu verhindern. Der Pearl-Index liegt hier zwischen 4 und 18.

Auch die Kalendermethode, oder „Knaus-Ogino“ -Methode, ist eine Verhütungsmethode ohne Hormone, die nicht wirklich empfehlenswert ist. Hierbei werden mehrere Monatszyklen auf einem Kalender dokumentiert, um damit den eignen Zyklus zu ermitteln. Aber nur wenn der weibliche Zyklus regelmäßig ist, können auch wirklich durchschnittliche Werte ermittelt bzw. berechnet werden. Zwar fallen hier keine täglichen Messungen oder ähnliches an, allerdings ist diese Art der natürlichen Verhütung extrem unsicher. Es gibt jede Menge Gründe, warum es zu Zyklusschwankungen kommt. Dazu zählt zum Beispiel Stress, Klimawechsel oder Krankheit. Daher liegt der Pearl-Index auch bei 9.

In der Theorie funktioniert die Methode folgendermaßen. Zunächst musst du deinen Zyklus über mehrere Monate dokumentieren, um seine Länge zu ermitteln. Dann kannst du den frühesten und spätesten Termin für deinen Eisprung berechnen, in dem du 18 bzw. 11 Tage zurückgehst. Ist dein Zyklus zum Beispiel zwischen 27 und 31 Tagen lang bist du zwischen Tag 9 (27-18) und Tag 20 (31-11) deines Zyklus fruchtbar. In dieser Zeit sollte auf alternative Verhütungsmittel zurückgegriffen werden, falls kein Nachwuchs geplant ist.

Fazit: Solltest du natürlich verhüten?

In erster Linie profitieren Frauen davon, die gerne hormonfrei verhüten möchten, und bereit sind etwas Zeit zu investieren, um ihren Körper besser kennenzulernen. Oftmals wird darauf zurückgegriffen, wenn Frauen schlechte Erfahrungen mit der Pille oder anderen hormonellen Methoden gemacht wurden. Aber generell ist hormonfreie Verhütung auch für dich interessant, wenn du gerade keinen festen Partner an deiner Seite hast. Dadurch kannst du deinen Körper und den Zyklus besser kennenlernen und entwickelst ein Bewusstsein für den monatlichen Eisprung.

Zudem ist diese Art der Verhütung nebenwirkungsfrei. Auch Teenager bzw. junge Frauen können mit einer natürlichen Verhütung Erfahrungen sammeln. Diese Methoden profitieren von einer regelmäßigen Dokumentation und Übung. Durch die Anwendung erhältst du letztendlich ein verbessertes Verständnis für die Vorgänge in deinem Körper. Es lohnt sich eine der sicheren Methoden zur natürlichen Verhütung auszuprobieren, wenn du überlegst die Pille abzusetzen.

2019-01-17T12:25:53+00:00

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MYLILY
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